Bürgerschützenverein Bottrop-Vonderort 1925 e.V.
Bürgerschützenverein Bottrop-Vonderort 1925 e.V.

Aus dem Archiv

 

Gründungsbericht und Chronik

 

Der folgende „ Gründungsbericht „ vom 10. 05. 1925 schildert die Entstehung des Vereins. Ein wertvolles Dokument, das uns zum Glück erhalten blieb. Dieser Bericht in Sütterlinschrift verfasst, liegt bei den Gründungsordnern im Vereinshaus vor.

 

Wie schon im Gründungsbericht erwähnt, wurde unser Verein am 10. 05. 1925 in der Gastwirtschaft Kerkhoff unter Beteiligung von 60 Personen gegründet. Eduard Elsbergen war einer der Einberufer dieser Versammlung. Über die Form der Gründung wurde man sich zunächst nicht einig. Vonderort war seinerzeit als einziger Ortsteil Osterfelds, der keinen, die Mehrheit umfassenden Verein besitzt, in dem es jedem möglich ist, sich als gleichberechtigt zu fühlen, bzw. zu bewegen“. So steht es im Gründungsbericht.

 

Der vorläufige Vorstand, bestehen aus den Herren

Franz Behr                         Vorsitzender

Hermann Caesar               Schriftführer

Eduard Elsbergen´             Beisitzer

 

Sie wurden ermächtigt, mit dem Osterfelder Verein Verhandlungen zu führen und festzustellen, ob und unter welchen Bedingungen ein Anschluß an diesen Verein möglich wäre. Diese Verhandlungen verliefen ergebnislos, da der Osterfelder Verein unannehmbare Bedingungen stellte. So forderte man z.B. 5,- RM Eintrittsgeld, einen Vierteljahresbeitrag von 1,50 RM und sofortige Anschaffung eines Schützenhutes der 7,50 RM kostete.

 

Franz Behr führte dann weitere Verhandlungen mit dem Schützenverein Rothebusch, der ein starkes Interesse für die Bestrebungen in Vonderort hatte. Auch diese Verhandlungen wurden ergebnislos abgebrochen.

 

Die damalige belgische Besatzungsmacht war gegen die Gründung neuer Vereine, und so erklärte sich der Verein Rothebusch bereit, Vonderort als besondere Kompanie zu führen. Unter dem Decknamen des Vereins Rothebusch wurden schließlich die Bewohner Vonderorts zu einer weiteren Besprechung für den 21. Juni 1925 in den Saal Kerkhoff eingeladen, an welcher ebenfalls 60 Personen teilnahmen. Fast ausnahmslos trugen sich alle als Mitglieder ein. Es erfolgte die Vorstandswahl, wobei folgender Vorstand gewählt wurde:

 

  1. Vorsitzender Franz Behr

  2. Vorsitzender Eduard Elsbergen

  3. Schriftführer Hermann Caesar

  4. Schriftführer Johann Lefering

  5. Kassierer Löchelt

  6. Kassierer Kruppa

  7. Schießmeister Peter Hammerschmidt

  8. Schießmeister Wilhelm Grzybeck

Beisitzer Jakob Moritz

Beisitzer Bernhard Sandkötter

Beisitzer Rhode

 

Der Monatsbeitrag wurde auf 0,50 RM festgelegt und als einmaligen Sonderbeitrag sollte jedes Mitglied 0,50 RM für die Beschaffung einer Luftbüchse entrichten. Der damalige Vereinswirt Kerkhoff stellte seine eigene Luftbüchse dem Verein zur Verfügung. Schon eine Woche später fand das I. Preisschießen im Garten Kerkhoff statt.

 

Regelmäßig fanden dann Monatsversammlungen und Preisschießen statt. Am 10.01.1926 wurde schließlich die 1. Generalversammlung durchgeführt, auf der Franz Behr als I. und Eduard Elsbergen als II. Vorsitzender wiedergewählt wurden. Auf dieser Versammlung wurde unter anderem beschlossen, den Monatsbeitrag um 0,50 RM zu erhöhen, bis die Beschaffung von Hüten gedeckt ist.

 

In allen seinerseitigen Niederschriften steht als erster Tagesordnungspunkt: „Zahlung der Beiträge“. Daraus muß man entnehmen, daß zu Beginn jeder Versammlung zuerst die Mitglieder „ zur Kasse“ gebeten wurden. Man war aber loyal, denn am 05.04.1926 beschloß man, für beschäftigungslose Mitglieder den Beitrag auf 0,10 RM zu ermäßichen.

 

Man kann ein Lächeln nicht unterdrücken, wenn man z.B. liest, daß nach jedem monatlichen Preisschießen eine Stunde lang ein exerzieren unter der Führung des damaligen Hauptmanns Kleinewegen stattfand. Ob die besonders schlechten Schützen „herangenommen“ wurden, besagt die Chronik nicht.

 

Man schaffte nach und nach Hüte, Federn sowie einen Sattel und eine Satteldecke auf Vereinskosten an.

 

Am 07.11.1926 wurde einstimmig beschlossen, eine Sammelbüchse für den „Fahnenfond“ anzuschaffen. Es wurde zugestimmt, daß sämtliche Schützenbrüder, die ohne Grund zum Preisschießen nicht erscheinen, 0,20 RM Strafe zu zahlen haben.

 

Die 2. Generalversammlung fand am 05.12.1926 statt. Es wäre absurd, hier sämtliche Sitzungsprotokolle zu kommentieren, denn das würde vielleicht dem Leser dieser Schrift langweilig erscheinen. Aber bestimmt ist es interessant zu wissen, wie sich der Anfang unseres Vereins gestaltet hat. Wir kommen dabei nicht herum festzustellen, daß sich unser Verein in erster Linie um den Schießsport und desweiteren um das gemütliche Zusammensein mit Frauen und Kindern bemühte. Denn Familien- und Kinderfeste wurden immer gepflegt und auch abgehalten. Dafür hatte der Verein seinerzeit keine Kosten gescheut, obwohl die damaligen Zeiten nicht rosig waren. Uneigennützigkeit war stets die Devise.

 

In der Generalversammlung am 12.06.1927 hatte eine Sammlung für die Fahnenkasse den enormen Betrag von 96,25 RM erbracht. Welch eine wunderbare Leistung in den damaligen Zeiten.

 

In diesem Jahr wurde auch eine Königskette angeschaft, die von „fünf gewählten Frauen der Mitglieder“ beim Kaufmann Paul bestellt wurde. Man hielt damals schon etwas von der Gleichberechtigung der Frauen.

 

Die Königskette mit den Erinnerungs- Plaketten werden die Namen und die Regierungszeit eingraviert.

 

Am 04.09.1927 fand schließlich das erste Schützenfest statt. Schützenkönig wurde Adolf Kerkhoff, der sich Käthe Behr zur Königin nahm. Schon im nächsten Jahr, vom 09. bis 12.06.1928, fand das 2. Schützenfest statt. Franz Behr wurde König und er wählte Maria Reers zu Königin.

 

Warum die Schützen den Vogel vom Himmel holen

Woher kommt eigentlich Brauchtum und Schützenwesen?

Parade und Vogelschießen, Gottesdienste und Königsball, das sind seit alters her feste Bestandteile der Schützenfeste. In fast jedem Dorf und jedem Stadtteil werden sie heute noch gefeiert. Woher kommt eigentlich dieses Brauchtum? Wahrscheinlich liegt der Ursprung schon in vorchristlicher Zeit. Das Grundmotiv, das schießen nach dem Vogel, existiert schon in germanischen Mythen und in den Märchen vieler Völker.

Mit dem Aufkommen des Christentums verloren diese heidnischen Mythen ihre Bedeutung, die Figuren aber blieben erhalten.

Erste Schützengesellschaften gab es schon im 11. Jahrhundert, ihr Ursprung liegt eindeutig in den Städten, die es gegen Angreifer zu verteidigen galt. Der Schützendienst in den Gilden und Bruderschaften wurde mehr und mehr zum Wehrdienst, bis der für jeden Bürger zur Pflicht wurde. Diese Bürgermilizen wurden nicht nur im Krieg eingesetzt - sie hatten auch bei Jahrmärkten, Prozessionen oder Hinrichtungen für Ordnung zu sorgen. Für diese Dienste bedankten sich die Städte, indem sie den Schützen besondere Rechte einräumten. Die Städte waren es auch, die sich für das Zustandekommen von Schiessspielen einsetzten. Von diesen "Freyschießen" im 15. Jahrhundert führt ein direkter Weg zu den heutigen Schützenfesten.

Aus der Zeit des "Siebenjährigen Krieges" und der nachfolgenden Jahre sind aus dem Bottroper Raum Schützenlisten überkommen, aus denen mit Leichtigkeit die alte Gruppenordnung zusammengestellt werden kann. Diese Liste sieht für das Jahr 1765 folgendermaßen aus: Schützenkönig war Passmann, ihm zur Seite stand der Fähnrich Paus. Witte hatte die "Rute" (Vogel mit Stange) verfertigt, Unterberg versah den Dienst eines Tambours und Grabbock den einen Pfeifers.

Vorgänger des Schützenkönigs waren Storp, Pickenbrock und Emschermann. Als Königsknechte fungierten Reibrock und Gr. Holtfort. Als Baunboten sind bekannt Dörnemann, Sandkühler, Kremer, Lugge, Flötgen, Kruse und Hegermann. Der Schützenkönig befehligte vier Korparalschaften, und zwar die 1. Korporalschaft (Welheim) mit 66 Mann (ohne Chargen) unter Gr. Kraneburg, die 2. Korporalschaft (Schlangenholt) mit 16 Mann unter Vienken, die 3. Korporalschaft (Lehmkuhle) mit 50 Mann unter Schlüter und die 4. Korporalschaft (Dorf mit Fuhlenbrock) mit 50 Mann unter Lammert.

Die Bauernboten dienten innerhalb der Korporalschaften als Melder. Dorf mit Fuhlenbrock und Welheim hatten wegen ihrer Weiträumigkeit mehrere, Schlangenholt und Lehmkuhle je einen Boten. Aufgabe der Korporalschaften war nicht nur der Kampf um die Königswürde, bei Bedarf mussten sie durch "wehrfähige Söhne und Knechte" aufgefüllt werden und wurden dann von der Obrigkeit entsprechend eingesetzt.

In dieser Zeit entstand übrigens auch die Biermarke. Wenn die Korporalschaften ihre Schützenfeste feierten, kam immer die ganze Nachbarschaft und trank das Bier weg. Um sich davor zu schützen, wurden die ersten Biermarken an die Mitglieder verteilt, damit der (Gratis-) Gerstensaft nicht mehr die falschen Kehlen herunterrinnen konnte.

Viele der oben genannten Namen sind heute noch in Flur- und Strassenbezeichnungen und im Adressbuch Bottrops zu finden, und mit der Korporalschaft Schlangenholt haben wir sicher den Urahn des Bürgerschützenvereins Bottrop-Eigen e.V. endeckt.

Von den militärischen Zwängen haben sich die heutigen Schützenvereine zum Glück befreien können. Auch der Drill, wie er in den Gründerjahren üblich war, hat sich als entbehrlich erwiesen. Es reicht gerade noch zu einem Vorbeimarsch mit Musik. Erhalten geblieben sind uns dagegen die in der Gründungsversammlung des BSV Eigen festgeschriebenen Ziele: Pflege des Brauchtums, Liebe zur Heimat, Geselligkeit und Kameradschaft, körperliche Ertüchtigung und sportlicher Wettkampf.

Wie diese Ziele heute umgesetzt werden, darüber berichten die Kompanieführer an anderer Stelle.....

 

 

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